Nach drei Jahren fanden sich die gleichen Teilnehmer in Leiden (Niederlande) ein, die auch 2011 in Tilburg aufeinander trafen:

  • GnuBG, ein Urgestein der Backgammon-Programme, wie in 2007 vertreten durch Nardy Pillard
  • Palamedes von Nikolaos Papachristou
  • BGBlitz

Im Gegensatz zu 2011 unterstützt Palamedes jetzt auch den Dopplerwürfel, sodass wir mit den ganz normalen internationalen Regeln spielen konnten. Der Austragungsmodus war wieder best-of-three 15-Punkt Matches. Es waren zwei der heißesten Tage in diesem Sommer und das Wetter war nur eine der Ursachen :)

Es startete mit den Klassiker GnuBG - BGBlitz. Das erste Match verlief sehr einseitig. BGBlitz kam häufig in gute Stellungen aber bis zum 13-3 wurden alle Ansätze von GnuBG gekontert. Danach kam BGBlitz besser ins Spiel, aber bei 10-14 machte GnuBG dem ein Ende.
Das zweite Match begann mit einem 4-0 für BGBlitz besser, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch bis zum sechsten Spiel beim Stande von 8-6. BGBlitz gerät unter Druck, nimmt den Würfel und rettet sich in ein 1-4 Backgame. Ein 44 macht GnuBGs Stellung fragil und wenig später trifft BGBlitz einen Blot. Nachdem das Board gebaut ist wird zurückgedoppelt und GnuBG muss seinen zwischenzeitlich aufgebauten Anker zweimal aufgeben und nach dem zweiten Mal geht das Licht aus, BGBlitz gewinnt ein Gammon und gleicht aus zum 1-1.
Das dritte Match war absolut einseitig. In jedem Spiel bekam BGBlitz, auch wenn es zwischenzeitlich unter Druck stand ein oder zwei Jokerwürfe, sodass GnuBG bei einem 15-1 chancenlos blieb.
Die Performance beider Programme war exzellent (BGBlitz : 1,07, 0,36 und 0,39 / GnuBG 0,35, 0,23 und 0,14).

Dann folgte das erste Match BGBlitz gegen Palamedes. Obwohl BGBlitz mit 0,22 praktisch fehlerfrei spielte, lief das Match bis zum 4-9 in Richtung Palamedes. Im sechsten Spiel, nach einem klassischen Split, 55, Tanzen, wäre es bei dem aktuellen Spielstand ein Pass gewesen, Palamedes nahm den Doppel aber unerschrocken an. Vier Züge weiter kam der das Macht entscheidende Fehler, als Palamedes auf 4 doppelte. Zwar hatte es eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 69%, aber die potentiellen Redoppel machen das zu einem Fehler von mehr als einem halben Punkt. Und es kam wie es (manchmal) kommen musste, BGBlitz bekam einen Schuss, doppelte nur drei Züge später zurück und gewann mit etwas Glück Gammon.
Palamedes hatte in diesem Match ein Performanz Rating von 7,11 wobei etwa 75% auf Cube-Fehler zurückzuführen waren.

Der erste Tag lief für BGBlitz super….. ob das so blieb? Im zweiten Match gegen Palamedes war es ein Kopf an Kopf Rennen bis zum 10-10. Das 13 Spiel beim Stande von 10-13 zeigt warum Backgammon auch das grausamste Spiel genannt wird. Ein Doppel von BGBlitz im vierten Zug, das bei dem Score ein Doppel/Take ist, dann nach Zug 21 gerade noch 15% Gewinnwahrscheinlichkeit um nach einem Treffer mit minimal besserem Timing Palamedes zu zwingen seine Prime zu öffnen, die eigene zu halten um schließlich bei 97,5% Gewinnwahrscheinlichkeit anzulangen. Was daran grausam ist? Das die 97,5% nicht reichten. Ein nicht zu verhindernder Blot, der immer wieder getroffen wird, bis das Rennen verloren ist.
Auf zum entscheidenden Match. Palamedes legte einen Blitzstart hin und führte trotz einiger Fehler schnell 8-0 nach nur drei Spielen. BGBlitz wehrte sich danach bis zum 11-14 Crawford, bis es trotz besserem Spiel unterlag (0,22/0,71/1,25 vs 7,11/4,10/6,59).

Nun war GnuBG gegen Palamedes dran. Im ersten Match war es ein Kopf-an-Kopf bis zum Stande von 4-4, als GnuBG sich langsam durchsetzte bis zum Stande von 12-4. Dann gewann Palamedes zwei einzelne Spiele und im nächsten Spiel gab es ein interessantes Prime-vs-Prime Spiel in dem Palamedes ein Backgammon gewann und ausglich. Palamedes nutzte den Schwung und gewann das erste Match.
Im zweiten Match hatte GnuBG einen Lauf und führte 8-0 und 12-3. Obwohl Palamedes aufholte, war der Vorsprung zu groß und so stand es 1-1. Im dritten Match hatte Palamedes einen guten Start aber GnuBG überholte bald und gewann 15-7.
GnuBG spielte in den drei Matches (2,06/0,26/0,48) und Palamedes (7,53 / 3,72 / 5,06).

Jetzt hatten alle Teilnehmer einen Sieg und eine Niederlage mit jeweils 2-1, ein totes Rennen. Wir beschlossen 7-Punkt Matches als Tie-Break zu spielen.

BGBlitz startete gegen GnuBG und unterlag 4-7. Wiederum spielten beide Programme auf höchstem Niveau (BGBlitz 0,86 / GnuBG 0,36).
Das nächste Match war BGBlitz gegen Palamedes. Obwohl BGBlitz deutlich besser spielte (BGBlitz 0,67 / Palamedes 7,79) brachten die Würfel die Entscheidung zu Palamedes Gunsten.
Jetzt gab es ein echtes Finale: GnuBG gegen Palamedes. Das Resultat 0-7 wird den spannenden Spielen, insbesondere dem dritten, nicht gerecht, in dem der Vorteil hin und her ging. Schließlich gewann wieder Palamedes und erzielte seinen zweiten Titel nach 2011 (GnuBG 0,24 / Palamedes 4,42) . Glückwunsch an Nikos!

Über alle Matches spielte BGBlitz eine 0,68 und GnuBG eine 0,55 was deutlich besser ist als das Niveau der besten menschlichen Spieler. Nur drei Spieler haben aktuell ein Rating unter 3,0. Masayuki Mochizuki (besser bekannt als Mochy) mit 2,85, Michihito Kageyama (besser bekannt als Michi) mit 2.95 und Neil Kazaross with 2,97). Palamedes spielte eine 5,75 was (bei einer hinreichenden Anzahl von Matches) einem Master M3 (der niedrigsten Master Kategorie (1 ist besser als 3), dann kommt Grandmaster 1/2/3 und schließlich Super Grandmaster 1/2/3) entsprechen würde. Der Wettkampf hat Spaß gemacht und es wie immer war es eine freundliche und angenehme Atmosphäre. Den Organisatoren gilt der Dank für Ihre großartige Arbeit.

Die Matches sind hier

Hier ein paar Bilder aus Leiden 2015. Viele spektakuläre Sehenswürdigkeiten, viele historische und moderne Gebäude.
Atmosphäre in Leiden
Viele Wettbewerbe fanden in der Woche statt, hier die Computer-Schach Weltmeisterschaft
Bild von Nikos und Nardy
Nikos und Nardy bei der Arbeit
Bild von Nikos and Frank
Nikos und Frank.
Siegerehrung
Die Siegerehrung.
Bild einer Windmühle
Leiden hat viele reizvolle Ansichten.
Bild einer Gracht
Das Stadtzentrum ist geprägt von Grachten und dem Oude Rijn.
Bild von Häusern am Oude Rijn
Häuser am Oude Rijn
Bild von einer Brücke
Schöne Motive überall
Bild eines Mikroskopes von van Leeuwenhoek
Ein Original Mikroskop von van Leeuwenhoek. Erst 260 Jahre später gelang es Mikroskope dieser Qualität zu bauen und bis heute ist nicht bekannt, wie van Leeuwenhoek die Linsen herstellte.
Bild einer frühen Narkosemaske
Einer der ersten Narkosemasken. Man findet viele weitere einzigartige Stücke im Museum Boerhaave. Ein Besuch ist absolut empfehlenswert.